Was ist ein runderneuerter Reifen?
Um zu verstehen, was ein runderneuerter Reifen ist, lässt sich ein Reifen in zwei wesentliche Bestandteile unterteilen. Die Runderneuerung ist die Kunst, diese beiden Elemente zusammenzufügen:
- Die Karkasse (innere Struktur): Sie ist das Gerüst des Reifens. Ist sie intakt und robust, kann sie noch Tausende zusätzlicher Kilometer leisten. Sie wird einer strengen Qualitätskontrolle unterzogen, um vor der Runderneuerung jede Schwachstelle auszuschließen.
- Die Lauffläche (Kontaktfläche): Sie ist das Gummi, das die Straße berührt, für die Haftung bzw. den Grip sorgt und sich mit der Zeit abnutzt. Bei einem runderneuerten Reifen wird dieser Teil vollständig durch neues Gummi ersetzt.
Beim Runderneuerungsprozess wird der verschlissene Teil auf einer geprüften Karkasse erneuert. Diese strenge Kontrolle macht den Unterschied zwischen einer industriellen Runderneuerung und einem gewöhnlichen gebrauchten Reifen aus.
Warum runderneuerte Reifen wählen? 3 wichtige Vorteile
Sofortige Einsparungen
Da der Herstellungsprozess weniger Ressourcen erfordert als die Produktion eines Neureifens, ist der Verkaufspreis deutlich attraktiver. Sie erhalten einen funktionalen und sicheren Reifen zu einem günstigeren Preis – ideal für Fahrer, die das beste Preis-Leistungs-Verhältnis suchen.
Eine umweltbewusste Wahl
Einen runderneuerten Reifen zu kaufen, ist ein Beitrag für die Umwelt. Durch die Wiederverwendung der Karkasse (dem in der Herstellung umweltschädlichsten Teil) wird Abfall reduziert und der Verbrauch von Erdöl und Rohstoffen gesenkt. Der Reifen wird wieder in den Einsatz gebracht, statt entsorgt zu werden.
Garantierte Rückverfolgbarkeit und Identifikation
Bei runderneuerten Reifen wird nichts dem Zufall überlassen. Im Gegensatz zu einem gebrauchten Reifen mit oft unbekannter Historie ist der Runderneuerte strikt gekennzeichnet. Jeder Reifen trägt Pflichtkennzeichnungen, über die sich Herkunft, Produktionswerk und Datum der Aufarbeitung nachvollziehen lassen. So kaufen Sie ein Produkt, das einem klaren gesetzlichen Rahmen entspricht.
Die Reifenflanke richtig lesen: Sicherheitskennzeichnungen
Damit Sie ein zugelassenes Produkt und keinen gebrauchten Reifen kaufen, müssen mehrere spezifische Kennzeichnungen verpflichtend auf der Reifenflanke vorhanden sein:
- Die Angabe "RETREAD": Sie ist der universelle Hinweis und muss auf der Reifenflanke gut sichtbar sein.
- Die Rückverfolgbarkeit (Datum und Werk): Sie basiert auf zwei Angaben: dem Fabrikcode und dem Datum der Runderneuerung. Beispiel: Die Kennzeichnung 1423 steht für eine Aufarbeitung in der 14. Kalenderwoche des Jahres 2023.
- Die Zulassungskennzeichnung (E): Das "E" im Kreis bestätigt die Zulassung des Reifens. Es ist der Nachweis, dass er alle Sicherheitsanforderungen der Europäischen Union erfüllt.
- Die Codes 108R und 109R: Diese verweisen auf die angewandten technischen Vorschriften. 108R für Pkw und 109R für Nutzfahrzeuge und Lkw.
Die Schritte der Runderneuerung eines Reifens
Die Runderneuerung ist ein präziser industrieller Prozess, der 6 Schritte umfasst:
- Die Inspektion (Sortierung): Die Karkasse wird bis ins Detail geprüft. Jeder Reifen mit dem geringsten strukturellen Zweifel wird sofort aussortiert.
- Das Aufrauen (Buffing): Die abgenutzte alte Lauffläche wird mechanisch entfernt, um die Oberfläche vorzubereiten.
- Die Instandsetzung: Falls an der Karkasse kleinere, zulässige Reparaturen notwendig sind, werden sie in diesem Schritt durchgeführt.
- Das Aufbringen: Die neue Gummimischung (Lauffläche) wird auf die vorbereitete Karkasse aufgebracht.
- Die Vulkanisation (Erhitzung): Der Reifen wird unter Druck im Vulkanisationsofen erhitzt. Dieser Schlüsselschritt verbindet die neue Gummimischung mit der bestehenden Struktur.
- Die Endkontrolle: Bevor der Reifen in den Handel kommt, erfolgt eine abschließende Sicht- und Konformitätsprüfung.
Heiß- oder Kaltrunderneuerung: Wo liegen die Unterschiede?
Es gibt zwei Methoden, die neue Lauffläche aufzubringen:
- Heißrunderneuerung (wie neu): Unvulkanisiertes Rohgummi wird auf die Karkasse aufgebracht. Das Profil wird während der Vulkanisation direkt in der Form erzeugt. Das Prinzip entspricht der Herstellung eines Neureifens.
- Kaltrunderneuerung (vorgeformte Lauffläche): Es wird eine bereits vulkanisierte und profilierte Lauffläche verwendet. Sie wird auf die Karkasse "geklebt" und anschließend wird das Ganze erhitzt, um die Verbindung zu sichern. Diese Technik ermöglicht oft eine große Flexibilität bei der Wahl der Profile.
Wie oft kann ein Reifen runderneuert werden?
Unsere Experten weisen darauf hin, dass die Grenze von der Fahrzeugkategorie und der Robustheit der Karkasse abhängt.
Bei Pkw hat die Sicherheit gegenüber der Geschwindigkeit Vorrang. Ein Reifen kann nur einmal runderneuert werden.
Bei Lkw-Karkassen ist es umgekehrt: Sie sind robuster und erlauben 2 bis 3 Lebenszyklen. Landwirtschafts- oder Bau- und Erdbaureifen können ebenfalls mehrfach aufgearbeitet werden, sofern ihre Struktur von einem Experten freigegeben wurde.